Alexander von Parseval
Liebe Börsianerinnen und Börsianer,
da werden Sie mir sicherlich zustimmen. Der Golfkrieg wirkt als Kursbremse aller erster Güte. So notiert mittlerweile auf Monatssicht kein einziger größere Aktienmarkt im Plus. Ganz im Gegenteil: Der DAX und beispielsweise der österreichische Leitindex ATX notieren über 5 % unter Wasser.
Der Hintergrund ist einfach erklärt: Öl ist derzeit knapp und hat sich folglich im gleichen Zeitraum um 46 % verteuert. Heizöl sogar um 64 %.
Diese Preisexplosionen wirken sich auf die eine oder andere Art auf praktisch jede Branche oder jedes Unternehmen aus. Da will ich gleich vorbauen: Meine Updates sind diesmal nicht immer einfache Lektüre.
Aber gehen wir tiefer! Im Markt sind nun Sorgen, dass die gestiegenen Ölpreise die Inflation wieder anfeuern.
Heute Morgen habe ich eine Studie eines deutschen Wirtschaftsinstitutes gelesen. Der Autor der Studie sieht einen Anstieg der Teuerungsrate im Sommer auf 3 % voraus. Börsianer folgern nun aus dieser Botschaft, dass die Notenbanken nächstens die Leitzinsen wieder hochfahren. Das wäre logisch ein weiterer Dämpfer für den Aktienmarkt.
Ich sage: Belastungen vorübergehend
Ich stimme dieser Argumentation teilweise zu. So hat der Golfkrieg sicherlich erst einmal jede Zinssenkungsphantasie getötet. Einen großen und schädlichen Anstieg der Zinsen freilich sehe ich nicht. Denn die Notenbanken orientieren ihre Geldpolitik an der sog. Kerninflationsrate, die volatile Energiepreise nicht berücksichtigt. Außerdem gilt: Die teuren Öl- und Gaspreise belasten die Konjunktur. Da wäre es kontraproduktiv, mit Zinserhöhungen zu antworten.
Ich erwarte ohnehin, dass der Golfkrieg in den nächsten 3 bis 4 Wochen ein Ende finden wird. So haben die Amerikaner bereits ihr maximales Kriegsziel des Regimewechsels mehr oder weniger einkassiert. Und außerdem wählen viele Amerikaner im November ihren Senator und ihren Abgeordneten.
Entschuldigen Sie die zynische Wendung! Aber mit toten US-Soldaten gewinnt man keinen Wahlkampf. Donald Trump weiß das und wird folglich den Krieg beenden.
Sobald sich diese Perspektive konkretisiert, wird der Aktienmarkt eine Erholungsrally starten, und die Ölpreise werden wieder schrumpfen.
Deshalb habe ich heute die Dividendenpositionen Swiss Re sowie Patrizia wieder auf Kaufen gestellt. Ich will mich jetzt noch nicht festlegen. Aber es ist gut möglich, dass ich dann in der kommenden Woche für Sie wieder eine lupenreine Neuempfehlung haben werde.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!
Alexander von Parseval
P.S. Zuletzt hatte ich versäumt, den Teilverkauf der ING-Aktie zu bestätigen. Das hole ich jetzt nach: Am 3. März habe ich die Position ING reduziert und dabei einen Gewinn in Höhe von ziemlich genau 100 % für uns in Sicherheit gebracht. An der Restposition halte ich unverändert fest.
Updates: Patrizia, Swiss Re, VW,
Patrizia: Solide Geschäftszahlen und Dividendenerhöhung
Der Augsburger Immobilienspezialist Patrizia meldete in der vergangenen Woche solide Geschäftszahlen aus dem abgelaufenen Jahr. Danach konnte man den Nettogewinn von 2,4 Millionen auf über 16 Millionen Euro vervielfachen.
Vor diesem Hintergrund wird die Unternehmensführung die Dividende um 3 % auf 0,36 Euro je Aktie anheben. Insgesamt erhöhen die Augsburger die Dividende damit zum 8. Mal in Folge. Damit wirft das Immo-Papier auf Basis des Einstandskurses des Dividendendepot (7,82 Euro) nun eine laufende Dividendenrendite von 4,6 % ab. Damit bin ich völlig zufrieden.
Das hat mir weniger gefallen: Die Geschäftszahlen der Patrizia sagen mir klar, dass die Wende im europäischen Immobilien- und Infrastruktursegment im vergangenen noch nicht stattgefunden hat. So beruht der starke Gewinnzuwachs vor allem auf internen Sparmaßnahmen.
Operativ hat das Unternehmen hingegen keine Bäume ausgerissen: So stagnierte das verwaltete Vermögen (Assets under Management) bei leicht über 56 Milliarden Euro. Unter dem Strich schrumpften die Gebühren, die man als Vermögensverwalter eingenommen hat, um 2 %.
Preisschock bei Öl belastet Immo-Aktie
Ungeachtet der soliden Zahlen verliert die Patrizia-Aktie in dieser Woche um über 7 %. Wie bereits eingangs angedeutet ist der starke Ölpreis geeignet, die Inflation wieder zu treiben. In der Folge sieht sich dann die Europäische Zentralbank möglicherweise motiviert, den Leitzins wieder anzuheben. Das wissen Sie als Immo- oder Aktien-Investor: Eine solche Perspektive schadet dem Immo-Markt bzw. der Aktie der Patrizia.
Patrizia in EUR
Chartkommentar: Der neue Golfkrieg hat die Patrizia-Aktie vorübergehend spürbar südwärts geschickt. Bei etwas über 7 Euro erkenne ich allerdings eine starke Unterstützung, die in den vergangenen Jahren nie wirklich unterboten worden ist. Einmal im April 2025 wurde die Haltelinie – hier grün – eingezeichnet unterboten, als Donald Trump den Zollhammer präsentiert hat.
Mein Fazit: Nach dem Kursrücksetzer empfehle ich die Immo-Aktie nun wieder zum Kauf. Ich stimme den Skeptikern unter Ihnen durchaus zu: Kurzfristig sind spektakuläre Kursavancen eher unwahrscheinlich. Zuvor müssen wir im Markt erst den Problemkomplex „Golfkrieg plus Ölschock“ abräumen.
Dennoch: Langfristig holen Sie sich hier eine Aktie bzw. ein Unternehmen mit starkem Geschäftsmodell, guter Substanz und wahrscheinlich laufend verbesserter Dividendenrendite. Wer jetzt einsteigt, wird aus dem Stand – im Juni – für sein Depot 5 % Dividendenrendite entgegen nehmen. Wie gesagt: Tendenz steigend!
Sie sind noch nicht investiert, dann fassen Sie jetzt zu Kursen bis maximal 7,60 Euro (Kauflimit) zu. Wählen Sie dabei am einfachsten den Handelsplatz Xetra.
Empfehlung: kaufen bis 7,60 EUR
WKN / ISIN: PAT1AG / DE000PAT1AG3
Börsenplatz: Xetra
Swiss Re meldet viel Substanz – Ich stufe auf
Bereits in der Parseval-Ausgabe vom 27. Februar hatte ich die vorläufigen Geschäftszahlen 2025 des Schweizer Rückversicherers erwähnt. Gestern hat Swiss Re die geprüften und endgültigen Zahlen vorlegen. Damit Sie den Zusammenhang haben, die wichtigen Zahlen in der Gesamtbetrachtung.
Swiss Re hat 2025 den Nettogewinn um 47 % auf 4,8 Milliarden USD gesteigert. Deshalb fährt man nun die Dividende um 9 % auf 8 USD pro Aktie hoch. Ferner wird man in den nächsten Monaten eigene Aktien im Wert von 1,5 Milliarden USD über die Börse zurückkaufen.
Das ist neu und jetzt konkret vom Wirtschaftsprüfer bestätigt: Swiss Re hat gegenüber der FINMA (Eidgenössische Finanzmarktaufsicht) eine Solvenzquote von 250 % gemeldet. Ich formuliere verständlich: Die Schweizer sind in der Lage, 2,5 Jahrhundert-Katastrophen ungefähr zur gleichen Zeit abzudecken. Eine solche Quote gilt in der Branche als optimal.
Börsianer betrachten diese Kennzahl oftmals kaum. Versicherungskunden schon, denn die wissen: Wenn ich mir hier versichere, fließt auch bei globalen Extremschäden Entschädigung. So gilt: Hohe Solvenzquote gleich mehr Neugeschäft.
Muss Swiss Re im Golf leisten?
Der Rückversicherer agiert auch im Segment der Luft- und Seefahrt und versichert Schäden, die durch militärische Aktivität an der Schiffshülle oder Fracht entstehen. Bislang ist mir kein entsprechendes Schadensereignis bekannt geworden. Allerdings ist im Markt eine gewisse „Schadenserwartung“. Also man geht davon aus, dass es jeden Tag im Arabischen Golf zu einem größeren Schaden kommen kann.
Deshalb machte die Assekuranz-Aktie trotz der starken Jahreszahlen zuletzt keinen Meter mehr. Im Gegenteil: Die Aktie erlebt aktuell eine kleine Kursdelle, wie Sie aus dem folgenden Chart entnehmen.
Swiss Re in CHF
Aufgrund der Kriegshandlungen im Golf ist der Abschlag sicherlich nicht ganz unbegründet. Gleichwohl rate ich Ihnen dazu, den (seltenen) Kursrücksetzer zum Kauf zu nutzen, sofern Sie noch nicht investiert sind.
Ich stufe die Aktie der Swiss Re wieder auf Kaufen herauf. Kaufen Sie direkt in Zürich! Dann ist auch ein Kauflimit entbehrlich.
Eine Formalie zum Schluss: Swiss Re wird das Aktienkapital von CHF auf USD umstellen. So wird aus einer Aktie mit Nennwert 0,10 CHF eine Aktie mit Nennwert 0,12 USD. Für uns als Aktionär hat diese Maßnahme keine Relevanz. Nach meinen Informationen wird das Papier in Zürich unverändert in Franken und hierzulande in Euro gehandelt werden.
Wahrscheinlich wird Sie Ihre Depotbank noch entsprechend informieren. In dem Schrieb wird dann die Wendung „Aktientausch“ auftauchen. Sie wissen nun, worum es geht und legen das Dokument gleich zum Altpapier.
Empfehlung: kaufen billigst
WKN / ISIN: A1H81M / CH0126881561
Börsenplatz: Zürich
VW meldet solide Zahlen – Sparprogramm greift
Der Autobauer VW konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr den Umsatz weitgehend bei knapp 322 Milliarden Euro konstant halten. Aufgrund diverser ungünstiger Sonderfaktoren sank der Gewinn pro Aktie allerdings um 38 % auf 13,35 Euro. Vor diesem Hintergrund wird das Unternehmen auch die Dividende um 17 % auf 5,26 Euro je Vorzugsaktie herunterfahren.
Dabei litten die Wolfsburger besonders unter der Schwäche der Premiummarke Porsche. Der Sportwagenhersteller hat im vergangenen Jahr rund 90 % seines Vorjahresgewinns verloren. Vor allem in China verkaufen sich die Edelkarossen aus Zuffenhausen schlecht. Hier sind die Auslieferungen um 26 % gesunken.
Ferner schätzen die Kunden bei Porsche eher den Verbrenner-Motor, sodass die Elektro-Offensive der Schwaben nicht wirklich funktioniert hat. Nun rudert man wieder zurück. Die erforderliche Neuausrichtung der Produktion belastet das Zahlenwerk mit über 1 Milliarde Euro. Erwartungsgemäß schlagen zudem die US-Zölle mächtig ins Kontor. Hier beziffert die Unternehmensführung die Belastung auf 2,9 Milliarden Euro.
Das war gut: Im vergangenen Jahr hat das Sparprogramm erstmals gut gegriffen. So konnte man die Werkkosten an den deutschen Standorten um 20 % senken. Der letzte Tarifabschluss wirkt ebenfalls günstig. So gelangen Einsparungen bei den Personalkosten in Höhe von rund 1 Milliarde Euro.
2026 verspricht moderate Besserung
Aufgrund der ausgeprägten Kostendisziplin gestaltet sich die Liquidität im Konzern erfreulich. So hat man einen freien Cashflow in Höhe von 6,4 Milliarden Euro erzielt. Deshalb ist der Autobauer unverändert in der Lage, eine attraktive Dividende auszuschütten. Auf Basis des aktuellen Kurses erzielt der Aktionär hier aus dem Stand fast 6 %.
Im laufenden Jahr sollte sich das Zahlenwerk des Autobauers leicht verbessern. So soll der Umsatz um bis zu 3 % wachsen. Außerdem entfallen die belastenden Einmalfaktoren aus dem Vorjahr. Ich erwarte zudem, dass die Wolfsburger bei den Investitionen von zuletzt immer noch über 30 Milliarden Euro nochmals den Rotstift ansetzen werden.
Hier gilt: Die teuren Start-Investitionen in die E-Mobilität hat man gestemmt. Mittlerweile können die Wolfsburger auch Strom und werden im laufenden Jahr erstmals weltweit rund 1 Million Vollstromer absetzen.
US-Zoll: Milliardenschwere Rückerstattungen für VW
Vor einer Woche hat das für Zollfragen zuständige US-Handelsgericht (Court of International Trade) die US-Regierung angewiesen, nun mit der Rückerstattung der zuvor illegal erhobenen Importzölle zu beginnen. Dabei haben die US-Juristen ebenfalls verfügt, dass die Forderungen der Importeure zu verzinsen sind.
In Wolfsburg hat man ganz aktuell einen Sonderstab gebildet, der nun jeden Zollbeleg im Konzern erfassen wird. Nach ersten Schätzungen können den Norddeutschen bis zu 5 Milliarden Euro zufließen. Unklar ist noch, wann diese Rückerstattung erfolgen soll.
Im Markt ist schon die Sorge, dass die US-Regierung diese Vorgänge jahrelang verschleppen wird. Allerdings werden die Forderungen der Unternehmen derzeit mit einem Satz von 6 % verzinst. Dieser stattliche Zinssatz dürfte die zuständige Zollbehörde motivieren, die Vorgänge doch halbwegs zeitnah zu erledigen.
Die Aktie der VW hat sich zuletzt ungünstig entwickelt und bleibt ein Ärgernis in unseren Depots. Vor dem Hintergrund des neuen Golfkriegs rechne ich auch nicht mit einer raschen Kursverbesserung. Solange die Straße von Hormus faktisch dicht ist und die Spritpreise weiter auftreiben, wird sich die Auto-Aktie erst einmal schwertun.
Bei Kursen über 110 Euro werde ich einen Verkauf der Aktie prüfen. Auf dem derzeitigen Kursniveau ist ein Verkauf hingegen nicht sinnvoll.
7%-Dividendendepot
NextGeneration-Depot
Trenddepot

