Alexander von Parseval
Liebe Börsianerinnen und Börsianer,
ich schicke es gleich vorweg: Ich bin kein Bellizist, also Kriegsbefürworter. Ich habe auch keine große Freude an Rüstungsunternehmen oder anderen Kriegsgewinnler-Investments. Dennoch sehe ich in den aktuellen Ereignissen am Golf eine (konstruktive) Perspektive.
Meine Unterstellung: Das Mullah-Regime in Teheran kann als zentraler Unsicherheitsfaktor beseitigt werden. Dann können die Verteidigungshaushalte in der Region zurückgefahren werden und Milliarden werden an frischem Kapital für sinnvolle Investitionen frei.
Dazu einige Zahlen: Israel verwendet üblicherweise 15 bis 18 % seiner Wirtschaftsleistung (BIP) für Rüstungsausgaben. Der Golfanrainer Vereinigte Arabische Emirate kommt auf 10 bis 15 %. Zur Einordnung dieser Zahlen: Der bundesdeutsche Verteidigungsetat wird heuer bei 2,8 % liegen, 2029 dann wahrscheinlich bei 3,5 %.
Was will ich sagen? Im Nahen und Mittleren Osten werden seit Jahrzehnten Milliarden für Rüstung ausgegeben. Warum? Weil die Mullahs aus dem Iran praktisch jeden in der Region bedrohen.
Und wenn diese latente Bedrohung abgeschaltet werden kann, wird der Nahe und Mittlere Osten zu einem neuen Kraftzentrum der globalen Wirtschaft aufrücken. Dann spart man sich nämlich die wenig konstruktiven Rüstungsausgaben.
Auch der Westen würde von einer solchen Entwicklung nur profitieren. Leicht übertrieben: Was für Europa die Wende 1989/90, als die Abschaltung der Sowjet-Herrschaft war, kann heuer am Persischen Golf passieren. Nur zur Erinnerung: Nach der Wende zogen Indizes wie der DAX oder auch gerade der österreichische ATX jahrelang nordwärts.
Börse Tel Aviv feiert schon
Sie sagen jetzt vielleicht, ich bin ein Träumer. Da will ich Ihnen auch gar nicht vollständig widersprechen. Ich selbst traue meiner optimistischen Prognose auch noch nicht ganz. Aber ich habe sie nicht aus dem luftleeren Raum gegriffen.
So schießt der TA35-Index seit Wochen und Monaten durch die Decke. Der TA35 ist der Leitindex der Börse Tel Aviv. In dieser Woche macht er über 5 %, auf Jahressicht liegen israelische Aktien fast 77 % im Plus. Mehr noch: Der Shekel, die Währung Israels ist derzeit so wertvoll wie seit 30 Jahren nicht mehr. Da kann es keine zwei Meinungen geben: Díe Investoren feiern die (möglicherweise) bevorstehende Befreiung von der Bedrohung der Mullahs und schicken Geld an den Standort Israel.
TA 35 Index
Chartkommentar: Die Israel-Börse zählte in den vergangenen Monaten zu den ganz starken Exoten. Leider ist der Kauf der TA-Aktien in der Praxis nicht ganz einfach. Ich bin aber für Sie „dran“ und werde Sie entsprechend informieren, sobald ich hier für uns einen Weg gefunden habe.
An den arabischen Börsen des Golfs sehe ich diese Kurseffekte noch nicht. Dennoch halten sich hier die Kursabschläge in überschaubarem Rahmen und entsprechen ungefähr denjenigen, die wir in dieser Woche in Europa gesehen haben. Sobald das Kriegsgeschehen mehr Klarheit bietet, dürften auch diese Börsen aufwärts ziehen.
Was bedeutet das für uns?
Die europäischen Börsen haben in dieser Woche schon gelitten. So verliert der DAX fast 6 %. Der Zusammenhang dürfte Ihnen geläufig sein: Die auftreibenden Öl- und Gaspreise helfen der Konjunktur nicht. Daneben haben Risikotitel teils spürbar verloren. So hatten wir im NextGeneration-Depot schon einige böse Rücksetzer. Dazu gleich mehr!
Dabei gilt: Nervosität war also schon im Markt, aber keine Panik. Man geht davon aus, dass der neue Golf-Krieg letztlich keine großen Auswirkungen für Europa haben wird. Ich erwarte, dass die europäischen Aktienmärkte in der kommenden Woche wieder anziehen. Dann sollte auch der Luftraum am Golf wieder weitgehend offen sein und idealerweise auch die Straße von Hormus.
Lesen Sie jetzt gleich im ersten Update, wie sich unser Golf-Investment OMV schlägt.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!
Alexander von Parseval
Updates: OMV, Sibanye-Stillwater, Impala Plat
OMV-Aktivitäten in der Golf-Region kaum beeinträchtigt
Der österreichische Energie-Multi OMV ist umfassend in den Vereinigten Arabischen Emiraten engagiert. So ist man etwa an den dortigen großen Öl- und Gasfeldern Satah Al Razboot (SARB) sowie Umm Lulu zu 20 % beteiligt.
Die Emirate waren in den ersten Kriegstagen ein bevorzugtes Ziel iranischer Drohnen und Raketen. Dennoch sind die Anlagen der OMV-Partner bislang nahezu vollständig intakt und arbeiten. Auch der Abtransport (also Verkauf der Rohstoffe) ist über den Industriehafen Fudjaira grundsätzlich möglich. Zur Info: Fudjaira liegt im Golf von Oman. Zu Deutsch: Hier müssen die Tanker nicht die Straße von Hormus durchfahren.
Die Wiener kommunizieren schwach
Ein Kritikpunkt an der OMV: Die Wiener kommunizieren mit ihren Investoren in der gegenwärtigen Situation schwach, also gar nicht. So datiert die letzte Investorenmeldung des Unternehmens von Mitte Februar. Da hätte ich mir mehr Aktivität der Presseabteilung vorgestellt. Zumal man durchaus konstruktive Nachrichten für die interessierte Börsenöffentlichkeit hätte.
Zurück zum Thema: Derzeit gehe ich unverändert davon aus, dass die Fusion der OMV-Tochter Borealis mit Borouge stattfinden wird, und zwar noch in diesem März. Sie erinnern sich: Diese Transaktion war ein wesentliches Argument in meiner OMV-Kaufempfehlung.
OMV in EUR
Chartkommentar: Bereits Ende 2017 und dann nochmal Anfang 2022 ist die OMV-Aktie massiv hochgelaufen, um hernach wieder einzuknicken. Jetzt unternimmt der Titel wieder einen Höhenlauf. Kurzfristig bin ich vor dem Hintergrund der aktuellen Nachrichtenlage eher vorsichtig mit großen Renditeversprechen. Spätestens langfristig sehe ich die Austria-Aktie aber klar oberhalb der bisherigen Hochkurse.
Ich bestätige meine Kaufempfehlung für die Aktie der OMV.
Nachtrag: Der Kreml erwägt gegenwärtig eine vorzeitige Abschaltung der Gasversorgung für die EU. Die EU wiederum hat diese Abschaltung ohnehin für 2027 angekündigt. Genau dann wird OMV die Gasförderung im Schwarzen Meer (Neptun Deep) aufnehmen. Fazit: Für die Österreicher spielt mittelfristig Einiges günstig zusammen.
Empfehlung: kaufen bis 56,00 EUR
WKN / ISIN: 874341 / AT0000743059
Börsenplatz: Xetra
Minen-Aktien leiden unter schwachen Metall-Preisen
In dieser Woche leiden die Minen-Aktien Impala Plat sowie Sibanye-Stillwater massiv und verlieren beide jeweils prozentual zweistellig. Dabei hatte Impala ausnehmend starke Halbjahreszahlen gemeldet. So steigerte man die Förderung der Platinmetalle auf 847.000 Unzen (+7 %).
Aufgrund des spürbar verbesserten Preises für Platinmetalle konnte man den Gewinn auf 483 Millionen Euro (umgerechnet) verfünffachen. Deshalb wird Impala nun auch wieder Dividende auskehren. Als Zwischendividende sind nun umgerechnet 0,21 Euro je Aktie angekündigt. Im September sollte dann im Rahmen der Abschlusszahlung nochmal ein spürbarer Nachschlag kommen.
Die Frage drängt sich auf. Warum verliert dann die Impala- und mit ihr gemeinsam die Sibanye-Aktie? Insgesamt haben die Edel- und wertvollen Industriemetalle in dieser Woche spürbar abgegeben. So verringerte sich der Preis für Palladium um 8 %, während Platin um 6 % einbüßt.
Das ist der Erklärungsansatz im Markt: Der erhöhte Ölpreis treibt die Inflation und damit möglicherweise die Marktzinsen. So wird der (finanzierte) Autokauf teurer, sodass die Autobauer weniger verkaufen werden und folglich auch weniger Katalysatormetalle benötigen.
Diese Erklärung ist sicherlich nicht ganz falsch, dennoch vor allem kurzfristig reichlich konstruiert. Machen wir die einfache und naheliegende Erklärung! Die Platinmetalle sind auf Jahressicht stark gestiegen. So hat sich beispielsweise der Palladiumpreis in nur 11 Monaten ungefähr verdoppelt. Da passieren dann eben auch einmal Rückschläge.
Warum verliert auch Gold?
Dieser Befund ist erstaunlich. Da bricht in der arabischen Welt ein Krieg aus und die Energieversorgung des Westens ist in Frage gestellt. Trotzdem verliert die Krisenwährung Gold in diesem Zeitraum 2 % ihres ursprünglichen Wertes. Das hat die Aktie der Sibanye Stillwater belastet, da die Südafrikaner im vergangenen Jahr rund ein Drittel ihres operativen Gewinnes aus der Goldförderung gezogen haben.
Ich habe auf die Schwäche der Metallpreise noch keine klare Antwort. Eine erste Vermutung: Gold ist mittlerweile (seit Jahren) derart gut gelaufen, dass viele Investoren nun auch einmal verkaufen. Die Förderung jedenfalls ist konstant und damit nicht zuständig für die jüngste Preisschwäche.
Positiv bin ich für die Platinmetalle. Hier sehe ich nach einer fulminanten Rallye eine Zwischenkorrektur. Mehr aber auch nicht. So soll ausweislich der Analystenschätzungen der Platinmarkt im laufenden Jahr klar in der Unterversorgung bleiben. Das Defizit im Palladium-Markt soll zwar weniger stark ausgeprägt sein.
Hier gilt aber: Die Metalle sind teilweise austauschbar. Also zu Deutsch: Wenn Platin aufzieht, holen sich die Autobauer für den Katalysator eben Palladium, sodass sich die Preisschere wieder schließt.
Platin in USD
Chartkommentar: Ungeachtet des jüngsten Kursrücksetzers hat sich die Platin-Notierung auf Jahressicht immer noch verdoppelt. Wichtig ist nun, dass die Marke von 2.0000 USD ungefähr hält.
Halten Sie zunächst an den Aktien der Impala Plat sowie der Sibanye Stillwater fest! Demnächst werde ich dann entscheiden, ob eine Aufstufung auf Kaufen sinnvoll ist.
7%-Dividendendepot
NextGeneration-Depot
Trenddepot

