Alexander von Parseval
Liebe Börsianerinnen und Börsianer,
Israel und die USA greifen seit 3 Tagen in einer konzertierten Aktion den Iran aus der Luft an. Dabei ist es der Allianz direkt in der ersten Angriffswelle gelungen, führende Köpfe des Mullah-Regimes zu liquidieren. Darunter auch den obersten Führer Ali Chamenei.
Dennoch fahren die Iraner nun Gegenangriffe auf Israel und die Golfstaaten wie Kuwait oder die Vereinigten Arabischen Emirate, da sich dort Militär-Standorte der USA befinden. Die Wirksamkeit dieser Angriffe hält sich in konkreten Grenzen. Generell sind die militärischen Möglichkeiten Teherans begrenzt.
Im Prinzip war der Angriff der Israelis und Amerikaner erwartet worden. Die Dimension des Angriffs hat mich allerdings überrascht. Offensichtlich geht es jetzt nicht mehr um das iranische Atomprogramm, sondern: Das Regime in Teheran soll als Ganzes beseitigt werden.
Ölpreise treiben auf – OMV im Fokus
Heute geben die Aktienmärkte spürbar ab, während die Öl- und Gaspreise zwischenzeitlich prozentual zweistellig auftreiben. Mittlerweile ist der Ausgang des Persischen Golfs, also die Straße von Hormus faktisch dicht. Damit fällt nun der Öl- und Gasnachschub aus der Golfregion zunächst aus.
Heute Morgen hat mich besonders die Entwicklung unserer jüngsten Anschaffung OMV interessiert. In der Empfehlung hatte ich bereits geschrieben: „Derzeit ziehen die Amerikaner Kräfte der Marine und Luftwaffe im Persischen Golf zusammen. So hat der atomgetriebene Flugzeugträger USS Gerald Ford jüngst die Straße von Gibraltar durchfahren und soll in rund einer Woche im Golf eintreffen. Das sind die Fakten: Die USA bauen vor der Küste des Iran gegenwärtig Potenzial für einige harte Luftschläge gegen die Mullahs auf.“
Die Österreicher unterhalten diverse Aktivitäten in der Region, wie Beteiligungen an Ölfeldern, Raffinerien sowie petrochemischen Anlagen. Derzeit ist der Markt der Meinung, dass das Unternehmen aufgrund der verbesserten Öl- und Gaspreise eher profitieren wird, auch wenn die Golf-Aktivitäten der OMV nun heruntergefahren werden müssen.
Unter dem Strich verteuert sich die OMV-Aktie derzeit um etwas über 2 %. Ich bestätige die Aktie unverändert als Kauf. Dabei sehe ich die Österreicher weniger als „Kriegsgewinnler“, sondern als langfristiges Investment.
Ebenfalls freundlich entwickelt sich heute die Position Sibanye-Stillwater (NextGeneration-Depot), die per saldo rund 2 % zulegt. Das Minen-Unternehmen hat im Förderportfolio die Krisenwährung Gold und kann somit von unerwünschten Entwicklungen profitieren. Erstaunlicherweise reagiert der Goldpreis bislang allerdings kaum auf die aktuelle Entwicklung.
Öl zunächst weiter teuer erwartet
Ich erwarte keine größeren Verwerfungen im Aktienmarkt. Zudem erwarte ich keine echte Öl- oder Gasknappheit, auch wenn die Notierungen erst einmal auf ihrem erhöhten Niveau verharren werden.
Öl Brent in USD
Chartkommentar: Der Anstieg des Brent-Ölpreises ist schon wuchtig, wie das Chartbild an seinem rechten Rand zeigt. Insgesamt freilich ist der schwarze Rohstoff im Langfristig-Vergleich nicht spektakulär teuer.
Nochmals zurück zum Kriegsgeschehen: Die ersten Angriffswellen der Israelis und Amerikaner haben weitgehend wie geplant funktioniert. Derzeit rechnet das Zweierbündnis mit einer Kriegsdauer von bis zu 4 Wochen. Allerdings bringt jedes Kriegsgeschehen – vor allem in dieser Region – Unwägbarkeiten mit sich.
Diverse Horrorszenarien – wie etwa ein iranischer Bürgerkrieg – sind zumindest theoretisch vorstellbar. Vor diesem Hintergrund rate ich von ausgedehnten Nach- oder Neukäufen zum jetzigen Zeitpunkt ab. Das Kauffenster wird sich erst noch öffnen. Folglich nehme ich die aktuellen Kaufempfehlungen in den Parseval-Depots – Ausnahme OMV – vorübergehend zurück.
Eine Vorsichtsmaßnahme: Teilverkauf bei ING sinnvoll
Der US-Vermögensverwalter Blue Owl sammelt Kapital vor allem bei professionellen Anlegern ein, um dieses Kapital anschließend an zahlreiche (mittelständische) Unternehmen als Kredit auszureichen. Blue Owl wird auch gelegentlich als Schattenbank bezeichnet. Nicht weil das Geschäft der Amerikaner illegal wäre, sondern weil es nur wenig reguliert ist.
So ist das Kreditbuch einer regulierten Vollbank im Rahmen der vierteljährlichen Geschäftsberichte transparent einsehbar. Bei Blue Owl hingegen fehlt diese Transparenz.
Offenbar haben zuletzt einige Großinvestoren Kapital aus einem Blue-Owl-Fonds abgezogen. Und zwar derart viel, dass sich die Schattenbank gezwungen sah, die Rücknahme der Fondsanteile bzw. Auszahlung des Kapitals zu begrenzen. Ferner hat Blue Owl ein Kreditportfolio an eine US-Pensionskasse veräußert, um sich frische Liquidität zu verschaffen.
Das weckt nun ungute Erinnerungen an die Kreditkrise der Jahre 2008 und 2009, als viele Kredite geplatzt sind und den Banken die Liquidität ausgegangen ist. Europäische Banken wie die ING sehe ich direkt zwar nicht gefährdet, da das Geschäftsmodell nur ungefähr vergleichbar ist. Die Verknüpfungen der europäischen Bankenhäuser mit Blue Owl dürften gering sein.
Dennoch rate ich Ihnen nun zu einem Teilverkauf der Aktie der ING-Bank (Dividendendepot). Das ist einerseits eine Vorsichtsmaßnahme und andererseits eine gute Gewinnmitnahme. Hier holen Sie sich als ehemaliger Leser der Premium Chancen 80 % Kursgewinn. Inklusive Dividenden hat die Bank-Aktie vor Steuern für Sie sogar den Verdoppler geschafft.
Meine Maßnahme: Ich reduziere die Position der ING-Aktie durch einen Teilverkauf um 50 %. Verkaufen Sie unkompliziert bestens etwa über die Börse Amsterdam oder hierzulande über Tradegate! Die verbleibenden Stücke sollen langfristig im Dividendendepot verbleiben.
Empfehlung: teilverkaufen bestens
WKN / ISIN: A2ANV3 / NL0011821202
Börsenplatz: Xetra
Mit freundlichen Grüßen
Alexander von Parseval

