Wochenausgabe 20.02.26
OMV im Zentrum einer Mega-Fusion – Wir kaufen
Ich hatte mich zuletzt nochmals ausgiebig mit dem Ölmarkt befasst. Die Preise dort sind bekanntlich günstig und haben zum Beispiel in Europa ein Mehrjahrestief markiert. Aber sehen Sie selbst im 5-Jahreschart!
Öl (Brent) in USD
Das Preistief fällt allerdings nicht vom Himmel. In der Tat ist der Markt momentan überversorgt, nachdem einige Südamerikaner wie Argentinien und Guyana jüngst die Förderung ausgebaut haben. Nur kurz dazu: Die Argentinier sitzen in Patagonien auf den weltweit zweitgrößten Ölschiefervorkommen und fördern seit 2025 im Projekt Vaca Muerta fast 900.000 Barrel pro Tag. Zum Vergleich: Norwegen schafft gegenwärtig knapp 2 Millionen Fass pro Tag.
Unterdessen liefern die USA immer noch auf Rekordniveau. Möglicherweise wird man allerdings Ende des Jahres das Förderhoch erreichen, nachdem viele Bohrtürme in B-Lagen nicht mehr wirklich lukrativ sind. Ein erstes Vorzeichen für eine zyklische Wende im Ölmarkt!
Dennoch hatte ich meine Idee „Öl-Aktie“ zunächst verworfen. Dann habe ich den österreichischen Energie-Multi OMV entdeckt. Das Wiener Unternehmen befindet sich im Zentrum einer gigantischen Fusion, deren milliardenschwerer Wert meines Erachtens vom Markt völlig unterschätzt wird.
Dreier-Bündnis mit Weltgeltung entsteht
Zur Transaktion! Der Öl- und Gasförderer OMV betreibt über seine Tochter Borealis ebenfalls das Geschäft der Basischemie und produziert beispielsweise Vorprodukte wie Ethylen, Propylen oder Kunststoffgranulat. Insgesamt kontrollieren die Wiener 75 % des Borealis-Kapitals und rechnen sich folglich den Umsatz der Tochter von zuletzt 8 Milliarden Euro zu. Die Tochter stand für ein Drittel des OMV-Umsatzes.
Diese hübsche Tochter wird man nun nach Abu Dhabi verheiraten bzw. mit dem dort ansässigen Basischemiker Borouge Group International (BGI) verbinden. Derzeit wird Borouge nach vom staatlichen Ölförderer ADNOC (Abu Dhabi National Oil Company) kontrolliert. Nach der Fusion werden beide Seiten – also OMV und ADNOC – 47 % des neuen Unternehmens kontrollieren. Volumen der Transaktion umgerechnet in Euro: 51 Milliarden.
Und es geht gleich forsch weiter: Nach der Fusion wird das Unternehmen den kanadischen Basischemiker Nova Chemicals für rund 11,3 Milliarden Euro vom Staatsfonds (Abu Dhabi) Mubadala Investment übernehmen.
Damit entsteht ein Dreier-Bündnis der Extra-Klasse, dass wesentliche Marktanteile in Nordamerika (Nova Chemicals), Europa (Borealis) und Asien (Borouge) kontrollieren wird. Ferner profitiert man von dem ultra-günstigen arabischen Öl, dass der Partner ADNOC liefern wird. Nur eine Zahl dazu: In der Golfregion liegen die Förderkosten pro Barrel teils unter 10 USD.
Börsenlisting soll die Bewertungsreserven heben
Einige Zeilen zuvor hatte ich geschrieben, dass die Fusion der beiden Basischemiker ein Volumen von rund 51 Milliarden Euro hat. Davon sind, wie dargelegt 47 % oder knapp 24 Milliarden Euro der OMV bzw. ihren Aktionären zuzurechnen. Die OMV-Aktie wiegt allerdings derzeit an der Börse nur rund 18 Milliarden Euro. Bei dieser Bewertung wird also praktisch das gesamte OMV-Geschäft wie Gas- und Ölförderung oder Tankstellennetz verschenkt.
Wie soll nun diese Unterbewertung gehoben werden? Über die Börse. So ist die (alte) Borouge-Aktie bereits jetzt schon an der Börse Abu Dhabi notiert. Sobald Borealis in die (neue) Borouge-Aktie integriert ist, haben wir schon einmal einen belastbaren Hinweis darauf, wie schwer oder wertvoll das fusionierte Unternehmen für OMV und ADNOC tatsächlich sein wird.
Danach sollen dann neue Aktien im Wert von rund 3,4 Milliarden Euro begeben werden, um den Streubesitz der Aktie zu heben. Durch diese Maßnahme wird sich der Anteil der OMV auf rund 43 % verringern, da man sich an der Kapitalmaßnahme nicht beteiligen wird. Das Ziel der Unternehmensführung: Mittelfristig soll die Aktie in einen der viel beachteten MSCI-Aktienindexe aufgenommen werden.
Im kommenden Jahr soll dann die neue Borouge-Aktie zudem am Schottenring, also an der Börse Wien notiert werden. Damit haben dann auch Millionen europäischer Privatanleger Zugriff auf die Petrochemie-Aktie. Das wird ihrer Kursentwicklung sicherlich nicht schaden.
Der Zeitplan der Mega-Fusion in der Übersicht
| Zeitraum | Ereignis / Meilenstein | Status / Details |
| Q1 2026 | Abschluss der Fusion (Closing) | Rechtliche Zusammenführung von Borealis & Borouge zur BGI. |
| Q1 2026 | Übernahme Nova Chemicals | Erfolgt zeitgleich mit der Fusion. Kaufpreis: ca. 13,4 Mrd. USD. |
| Ende März 2026 | Gründung der BGI | Offizieller Startschuss der neuen Konzerngruppe mit Sitz in Wien. |
| 2026 | Kapitalerhöhung (3,4 Mrd. EUR) | Ziel: Erhöhung des Streubesitzes (Free Float) für die MSCI-Aufnahme. |
| Ab 2027 | Zweitlisting an der Wiener Börse | Geplante Doppelnotierung (Abu Dhabi & Wien) nach Erreichung der MSCI-Kriterien. |
Kann die Fusion noch scheitern?
Die Transaktion befindet sich auf der Zielgeraden. Dabei haben Wien und Abu Dhabi jedes Detail haarklein ausverhandelt und vertraglich fixiert. Ich gehe nicht davon aus, dass diese Transaktion auf dem letzten Meter noch platzen wird. Allerdings kann ich mir Störer vorstellen, die möglicherweise für die Verschiebung einiger Meilensteine der Fusion sorgen können.
Beispiel: Derzeit ziehen die Amerikaner Kräfte der Marine und Luftwaffe im Persischen Golf zusammen. So hat der atomgetriebene Flugzeugträger USS Gerald Ford jüngst die Straße von Gibraltar durchfahren und soll in rund einer Woche im Golf eintreffen.
Das sind die Fakten: Die USA bauen vor der Küste des Iran gegenwärtig Potenzial für einige harte Luftschläge gegen die Mullahs auf. Eine Bodenoffensive ist allerdings mit den genannten Kräften nicht möglich.
Sollte nun also US-Luftschläge etwa mit der geplanten Kapitalerhöhung der Borouge zusammenfallen, ist es wohl sinnvoll, die Maßnahme zu verschieben. Ein solches Szenario würde dann logisch auch mit vorübergehenden Kursverlusten der OMV-Aktie einhergehen. Zudem sind die Österreicher in der Region auch an einigen Ölfeldern beteiligt, deren Produktion im Falle militärischer Aktion sicherlich gestoppt wird.
Schätzungen zu OMV:
Eine kurze Anmerkung zu den Zahlen 2025: Auch wenn die Fusion rechtlich erst in diesem Jahr vollzogen wird, wurde die Transaktion gemäß dem IFRS-Regelwerk für Rechnungslegung und Buchhaltung bereits 2025 berücksichtigt. Dadurch schrumpfte der Umsatz optisch im Vergleich zu 2024 um rund 8 Milliarden Euro.
OMV steigt zum europäischen Gas-Champion auf
Sie haben schon lange verstanden, dass die Transaktion Borealis & Borouge in den kommenden Monaten sehr wichtig für die Kursentwicklung der OMV sein wird. Welche anderen Kurstreiber sehe ich?
OMV erschließt bereits seit einigen Jahren gemeinsam mit dem rumänischen Energie-Unternehmen Romgaz im Schwarzen Meer das Erdgasfeld Neptun Deep. Und dieses Projekt ist von Extraklasse. Denn hier befinden sich Reserven von 100 Milliarden Kubikmeter, die OMV und Romgaz nun über einen Zeitraum von rund 20 Jahren fördern werden.
Sehr erfreulich ist zudem, dass Neptun Deep nahezu perfekt an das europäische Pipelinesystem angeschlossen ist. So wird das Gas über die Tuzla-Porisor-Pipeline sowie den BRUA-Korridor zum wichtigen Gasverteiler Baumgarten (Niederösterreich) gepumpt. Von dort kann es dann bei Bedarf nach Deutschland, Italien, Slowenien oder Kroatien verteilt werden.
Das ist definitiv für OMV und natürlich auch für die Rumänen einen Vorteil, dass man potenziell mehrere Kunden bedienen kann. Wenn dann die Deutschen bei den Preisverhandlungen sperrig tun, verkauft man das Gas eben den Italienern oder Slowenen. Überflüssig zu erwähnen, dass das Neptun-Gas natürlich auch gleich vor Ort in Rumänien verkauft werden kann.
Neptun Deep macht OMV ferner zum führenden Gasförderer der EU. So hängt man jetzt gemessen am europäischen Fördervolumen die Ölmultis Shell und TotalEnergies ab, da deren Nordsee-Quellen allmählich versiegen. Rumänien rückt ebenfalls in die Top-Position der EU und wird vom Importeur zum Exporteur. Ich gehe davon aus, dass das Gasfeld bereits im 2. Halbjahr 2027 unter Volllast pumpen wird.
Ist die Monsterdividende der OMV sicher?
Die Dividende der OMV ist ebenfalls bereits in trockenen Tüchern. So wollen die Österreicher insgesamt – verteilt auf eine Basis- und eine variable Erfolgsdividende – 4,40 Euro je Aktie auskehren. Das entspricht auf Basis des letzten Kurses einer satten Dividendenrendite von 8 %.
Diese Frage drängt sich auf: Ist eine solche ungewöhnliche Monsterdividende wirklich nachhaltig? Meine Antwort: In diesem Fall schon, wie meine Rechnungen ergeben haben.
Tatsächlich wird das Unternehmen für 2025 seine freien Mittel (Free CashflowDer Free Cashflow ist das Geld, das nach allen Ausgaben und Investitionen wirklich übrig bleibt.) vollständig als Dividende an die Aktionäre auskehren. Aus Sicht des konservativen Kaufmanns ist eine solch hohe Ausschüttungsquote bedenklich. Dennoch kann sich OMV diese hohe Ausschüttung leisten.
Dazu einige Zahlen: Die Österreicher haben mit ihren arabischen Partnern vereinbart, dass Borouge eine Basisdividende in Höhe von 2,2 Milliarden USD pro Jahr auszahlen wird. Davon fließen 1 Milliarde USD direkt der OMV zu.
Diese Borouge-Dividende wird also den Free Cashflow der OMV im laufenden Geschäftsjahr auf etwa 2,3 Milliarden Euro heben. Damit lässt sich dann problemlos eine Dividende von 1,44 Milliarden Euro, wie sie für 2025 fließen soll, gedeckt. Ein Hinweis: Diese Schätzungen werden dann Realität, wenn OMV im laufenden Jahr ähnlich wie 2025 abschneiden wird.
Sie verstehen also, dass für die Dividende der OMV jene der Borouge sehr wichtig ist. Dabei gilt: Diese Dividende ist natürlich nicht in Stein gemeißelt oder wie ein Zins garantiert. Dennoch haben wir hier weit mehr als nur eine Absichtserklärung. Denn die Borouge-Auszahlung gilt als Mindestdividende, die nur in ganz außergewöhnlichen Krisen – wie etwa Krieg oder neue Weltwirtschaftskrise – gekürzt werden darf.
Diese Vereinbarung zwischen Wien und Abu Dhabi ist die Geschäftsgrundlage der Fusion. Andernfalls hätten die Wiener der Transaktion nicht zugestimmt. Auch dieser Aspekt spricht dafür, dass die Dividende der OMV für uns sicher ist.
Ihr Fahrplan zur Monsterdividende:
| Datum | Ereignis | Bedeutung für dich / den Fonds |
| 27. Mai 2026 | Hauptversammlung (HV) | Formeller Beschluss der Dividende (3,15 € regulär + 1,25 € variabel). |
| 05. Juni 2026 | Letzter Cum-Tag | Stichtag: Letzter Tag, an dem die Aktie inklusive Dividendenanspruch gekauft werden kann. |
| 08. Juni 2026 | Ex-Tag | Die Aktie wird ohne Dividende gehandelt. Der Kurs sinkt technisch um den Bruttobetrag (~4,40 €). |
| 09. Juni 2026 | Record Day | Interner Nachweisstichtag relevant nur für Depot-Banken (Ermittlung der Bezugsberechtigten). |
| 11. Juni 2026 | Zahltag (Payment) | Die Dividende wird angewiesen. |
Jetzt ist der richtige Kaufzeitpunkt!
Eingangs hatte ich erwähnt, dass der Ölmarkt kurzfristig noch nicht für eine Trendwende bereit ist. Aktienkäufe drängen sich in dieser Branche also noch nicht unbedingt auf. Ausnahme OMV!
Hier werden sehr wahrscheinlich bereits im März wichtige Weichenstellungen vorgenommen und die Fusion vollzogen. Daran schließen sich weitere Maßnahmen wie etwa eine Kapitalerhöhung an. Das sollte den echten Wert der OMV-Aktie für alle oder zumindest viele Investoren offensichtlich machen. Ferner erachte ich die Dividende der OMV als sicher.
2027 wird dann der Ölmarkt möglicherweise in die Unterversorgung abkippen. Das sollte der Austria-Aktie dann weiteres Potenzial geben. In diesem Zeitraum läuft dann auch die Gasförderung im Schwarzen Meer (Neptun Deep) an.
Ferner gehe ich davon aus, dass sich die Chemie-Branche weltweit unmittelbar vor einer zyklischen Erholung befindet. Ein Beleg dafür: In Europa sind gegenwärtig die Kapazitäten in der Branche zu etwa 75 bis 78 % ausgelastet.
Ab 80 % wird es dann spannend, ab dann steigt der Gewinn relativ zu den Fixkosten überproportional. Petrochemiker wie Borouge sitzen in der Wertschöpfungskette ganz am Anfang und werden die Erholung gleich spüren. Auch das (indirekt) ein Kaufargument für die OMV-Aktie.
Ich kaufe die Aktie der OMV für das Dividendendepot. Dabei gewichte ich die Aktie großzügig mit 8 %. Zur Vermeidung von Missverständnissen: Diese Gewichtung bezieht sich auf den Anteil Ihres Depots, welches Sie für konservative Investments vorgesehen haben, nicht auf Ihr Gesamtdepot. Geeignete Handelsplätze: natürlich Wien oder hierzulande Tradegate oder Xetra.
So kaufen Sie die Neuempfehlung OMV AG:
WKN / ISIN:
Börsenplatz:
Kauflimit:
Gewichtung:
Depot:
874341 / AT0000743059
Xetra
siehe bitte Depotansicht
siehe bitte Depotansicht
7%-Dividendendepot
